Velamen Akademie
Das Leben ist lang - auch mit Twitter!

Bildquelle: www.spschwyz.ch


Das Leben ist lang, wenn man es zu gebrauchen weiß. (Seneca)

Der Morgen beginnt mit einem kurzen Check der neuesten Tweets, drei Konten gleichzeitig, schauen, ob man neue Follower hat, neue Direktnachrichten, neue Erwähnungen. Und ein Auge geht schon in die linke Spalte, wer schreibt denn schon so früh? Und schnell werden Antworten, Entgegnungen eigene Tweets erdacht. Immer mit dem Augenmerk persönlich zu sein, zu überraschen, noch mehr Follower zu generieren und die bestehenden zufrieden zu stellen. Wenn man wieder auf die Uhr schaut, sind zwei Stunden vergangen. Der Arbeitsaktenhaufen ist nicht weniger geworden, man hat sogar die Kollegen gar nicht bemerkt, die noch mehr Papier hinzu getan haben.

Man muss beides verbinden und miteinander abwechseln lassen, Einsamkeit und Geselligkeit. Die eine weckt in uns die Sehnsucht nach Menschen, die andere die Sehnsucht nach uns selbst.(Seneca)

Twitter ist ein Medium der Getriebenen, der Echtzeitkommunikation. Es ist teilweise sehr anstrengend, aber es ist äußerst unterhaltsam und gesellig. Doch ab und an, muss man es ausschalten, denn es ist, als würde dauernd jemand dazwischen quatschen, wenn man sich konzentrieren will. Es braucht Pausen, kontemplative Zeiten, in denen man sich voll und ganz einer Aufgabe widmet. Twitter ist unterschätzt, wenn Menschen sagen, es ist ein Hobby, eine kommunikative moderne Spielerei. Twitter nimmt einen ein, kann sogar süchtig machen, wenn man nach einem besonders gelungenen Tweet immer wieder schaut, ob es Reaktionen darauf gibt. Wenn diese nicht erfolgen, arbeitet man wie besessen an neuen Wortspielereien, nur um mal ins Gerede zu kommen. Und neidisch schaut man auf die Twitterer mit hohen Followerzahlen und ärgert sich darüber, dass diese ihren Erfolg mit Tweets über ihren Familienalltag haben. Während man selbst wahnsinnig viel liest, verfolgt, hilft, wortspielt, antwortet, mitmacht.

Das Leben ist lang, wenn man es zu gebrauchen weiß, sagte Seneca. Der Tag ist länger, wenn man sich nicht treiben lässt, wenn man schreibt, was einem in den Sinn kommt und sich die Zeit nimmt, seine Äußerungen mit eigenem Wissen zu unterfüttern, wenn man selbst liest und nicht nur verbreitet. Wenn man Texte, wie diesen hier schreiben kann.