
Mir ist heute Folgendes sehr bewusst geworden: Eine Nehmergesellschaft, z.B. die Finanzhaie, brauchen nicht nur ein Pendant in der Gebergruppe, sondern vor allem die HINNehmer.
Ich habe heute bei Facebook die Gruppe L´ AD Cucaracha - Zalando Ads are like cockroaches gegründet, in der die Überschwemmung des Netzes mit Zalando-Werbung thematisiert wird. Daraufhin fand gleich eine kleine Diskussion statt, in der die Position, einfach wegschauen bzw. ausblenden via technischer Mittel ebenso vertreten wurde, wie die Meinung, dass auch die Gegenmeinung Werbung für Zalando wäre. Meine Gedanken blieben an diesem Thema hängen? Sind wir, bin ich ein Hinnehmer? Und ich muss das vorerst mit Ja beantworten.
In meinem Alltag nehme ich vieles hin, was eigentlich nicht in Ordnung ist. Genau wie mein innerer Schweinehund oder wer auch immer, wird man bei den folgenden Beispielen sagen: “Wegen solcher Kleinigkeiten regt man sich doch nicht auf!”.
- Vor dem EPlus-Laden in der Leipziger Straße in Halle steht jeden Tag seit vielen Monaten ein Schild: Nur heute - SMS-Flat. Und das ist im Grunde Betrug, denn mir wird ein zeitlicher Rahmen vorgetäuscht mit der Absicht, dass ich noch heute einen Vertrag abschließe. Und ich gehe jedesmal vorbei.
- Nahezu alle T-Shirts, die ich bei H&M erwerbe haben nach der ersten Wäsche kleine Löcher. Und ich gebe sie nie zurück, sondern akzeptiere das mit der Begründung: “Das ist billig, dann kaufe ich eben ein Neues.”
Größer wird es da schon bei politischen Themen:
- Die Rettungspakete sind geschnürt, die Hedgefondsmanager und Bankenchefs, die die Krise maßgeblich verursacht haben, verdienen wieder wahnsinnig viel Geld. Das ärgert mich, aber ich tue nichts.
- Die deutsche Regierung gaukelt vor, dass es nicht zu Steuererhöhung kommen wird, lügt sich Tag um Tag weiter Richtung 2013. Und ich tue nichts.
- Menschen werden auf offener Straße angepöbelt, verprügelt, getötet. Alle schauen weg.
Wenn ich nicht mal die kleinen Dinge im Alltag klarstelle, mich zu Wort melde, Beschwerde einlege, wie soll ich dann in der Lage sein, es im Großen zu tun. Man braucht das Erfolgserlebnis des Agierens. EPlus soll das Schild ändern, wenn ich etwas sage. Wenn dies passiert, weiß ich, dass meine Stimme, meine Meinung noch etwas zählt. Habe ich diese Erfahrung gemacht, komme ich vielleicht endlich weg von dem Gedanken: “Ach, was soll ich schon ändern können?”. Das Netz hilft mir dabei, denn wo kann ich so schnell meine Meinung verbreiten, Nachrichten streuen und zum Handeln auffordern?
Ich werde nun als erstes eine Mail an den Laden schicken. Wird nämlich Zeit, den Mund aufzumachen und mit dem Ausblenden aufzuhören.
Demokratie fängt unten an.
-
fischsteffchen liked this
-
velamen posted this